„Den Menschheitsverbrecher stoppen“

Sophie von Bechtolsheim diskutiert mit Schülern des EGM über die Rolle Stauffenbergs

Schulleiter Markus Binzenhöfer freute sich über den Besuch von Sophie von Bechtolsheim.

Sophie von Bechtolsheim, Enkelin von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, stellte am Egbert-Gymnasium ihr Buch „Stauffenberg – mein Großvater war kein Attentäter“ vor. Eindringlich diskutierte sie mit den Schülern der 9. und 10. Klassen über die Motive, die Stauffenberg bei der versuchten Tötung Hitlers geleitet haben mögen. Die Geschehnisse des 20. Juli 1944 sind gut erforscht. Graf Claus Schenk von Stauffenberg versuchte, Hitler im Lager „Wolfsschanze“ in Ostpreußen mit einer Bombe zu töten. Das Vorhaben misslang, woraufhin er und die Mitverschwörer hingerichtet wurden. Wie diese Geschehnisse aber zu bewerten sind, ist bis heute umstritten. 

 „Den Tyrannenmord wagen und den Menschheitsverbrecher stoppen, das war seine Motivation“, ist sich Sophie von Bechtolsheim sicher.  In diesem Zusammenhang wendet sie sich auch gegen den Begriff des „Attentäters“, der heute auch für islamistische und rechtsradikale Terroristen verwendet wird. In ihrer Argumentation sucht sie nach einer Antwort auf die Frage: „Was ist Widerstand?“ „Er ist nicht per se gut und nicht per se schlecht. Entscheidend ist, wogegen sich der Widerstand richtet. Zur Beurteilung kommt hinzu, was der Widerständige beabsichtigt, seine Geisteshaltung, seine Gefühle. Und es kommt hinzu, worin der Einsatz besteht, was der Widerständige also aufs Spiel setzt.“ Bechtolsheim sieht bei Stauffenberg eine tiefe Verwurzelung im christlichen Glauben und den Werten des Humanismus.

Kritiker halten Stauffenberg vor, dass er Hitler lange Zeit gestützt habe. Hier räumt Bechtolsheim ein: „Ihn leitete wohl ein politischer Pragmatismus, gemeinsam war ihnen die Ablehnung des Versailler Vertrages. Er verkannte anfangs sicher den mörderischen Antisemitismus und Rassismus.“ Aber als er die Greueltaten der SS vor allem an der Ostfront erkannt habe, habe er sich in Abscheu abgewendet.

„Waren die Verschwörer um Stauffenberg Demokraten?“, wollte eine Schülerin wissen. Nach Ansicht Bechtolsheims war er das wohl nicht, auch weil die Demokratie der 20er Jahre ein sehr schlechtes Image hatte. „Es wäre am Ende sicher auf eine Demokratie hinausgelaufen, aber bei einer unmittelbaren Einführung der Demokratie wäre es zum Bürgerkrieg gekommen. Zunächst hätte ja erst einmal eine Friedensordnung herbeigeführt werden müssen.“ Andererseits macht sie klar: „Meinen Großvater als glühenden Nazi zu bezeichnen, ist eine unzulässige Vereinfachung und Beschreibung“, so Bechtolsheim.  Schon während des Einmarsches in das Sudetenland 1938, also sogar noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, habe er geschrieben: „Ich habe Angst vor der Selbstüberschätzung Hitlers.“

„Was hat der Widerstand mit uns zu tun?“ Mit dieser Frage kam Bechtolsheim zur Lebenswelt der Schüler heute. „Wir müssen kein Opfer bringen, aber Engagement zeigen. Nicht die Verhältnisse stürzen, sondern mitgestalten und verändern. Ein Gemeinwesen ist nicht von sich aus geschützt davor, sich falsch zu entwickeln“, so Bechtolsheim. Die Erinnerung an die Männer des 20. Juli 1944 kann dabei eine Mahnung sein, und auch deshalb ist in der Kapelle des EGM nun auch eine Ausstellung über den Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 zu sehen. Bechtolsheim zur Rolle ihres Großvaters: „Für mich ist er kein Held, sondern ein Vorbild.“

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