Wenn Mönche in die Schule gehen …

Ein bewegtes und bewegendes Projekt liegt hinter knapp 40 Schülerinnen und Schülern aus Frankreich, Irland und Deutschland: „Monastic Institutions in Europe“ nennt sich das ERASMUSplus-Projekt, das den Collège du Servois in La Chapelle en Serval (Französische Partnergemeinde von Schwarzach am Main), die Glenstal Abbey School in Glenstal, Irland (langjährige benediktinische Partnerschule des EGM) und das Egbert-Gymnasium Münsterschwarzach miteinander verbindet. Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler hatten sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam mehr über klösterliche Traditionen und ihren Einfluss auf die sie umgebende Region zu erfahren. Und da das Lernen am außerschulischen Lernort oft nachhaltiger wirkt als das Lernen im Klassenzimmer durften die Schüler die oben genannten Länder bereisen. Im Schwarzacher Raum standen die Wegkreuze, die die fränkische Landschaft in besonderer Weise prägen, im Zentrum des Interesses. Schon beim Verlassen des Schulgeländes beginnt das Eintauchen in die Welt dieser sichtbar gelebten Religiosität, denn ein schönes Wegkreuz befindet sich direkt gegenüber dem Klostereingang. Dabei fiel auf, dass eine umfassende Inventarisierung dieser doch sehr verbreiteten Kreuze offenbar bislang nicht durchgeführt wurde, sodass der Erstellung zugrunde liegende Informationen mühsam zusammengesucht werden müssen.
Bei einer weiteren Begegnung in Irland, die wiederum alle drei Schülergruppen zusammenbrachte, waren dagegen vor allem aufgelöste Klöster, die zwischen dem 17. und frühen 19. Jahrhundert meist den Engländern zum Opfer gefallen sind, stumme Zeugen eines tief verwurzelten, aber oft bekämpften Glaubens. Immerhin steht dagegen die Glenstal Abbey mit ihren ungefähr 30 Benediktinermönchen auch heute noch für lebendiges Christentum.
Wieder anders stellt sich die Situation in Frankreich dar, das insbesondere durch die französische Revolution zum Niedergang zahlreicher Klöster und auch kirchlichen Lebens führte. Gerade dies – die strikte Trennung von Kirche und Staat – so deutlich zu erfahren, war sowohl für die französischen Schüler als auch für ihre Gäste aus Irland und Deutschland die vielen Mühen der gemeinsamen Projektarbeit wert.
Aus Impulsen der begleitenden Lehrkräfte und Mönche stellten die Schüler nunmehr eine Abschluss-präsentation zusammen, die beim vierten Gesamttreffen aller Gruppen der Schülerschaft des Egbert-Gymnasiums vorgestellt werden konnte. Ungewöhnlich dabei auch die Namen der Arbeitsgruppen: Lectio/Communicatio/ Conversatio/ Ordo/ Imaginatio /Peregrinatio/Creatio. Entstanden sind dabei eine website, die alle erreichten Ergebnisse öffentlich zugänglich machen wird, ein dreisprachiges Wörterbuch mit 100 Begriffen aus dem Mönchsleben, ein Kalender, der insbesondere auch den religiösen Festtagen aus den drei Ländern und auch der kirchlichen Schulen Rechnung trägt, eine künstlerische Verfremdung von Bilddokumenten der besuchten Stätten, um nur einiges aufzuführen. Ziel dabei war eine möglichst intensive Interaktion unter den Schülern der drei Schulen, die zu diesem Zweck jeweils in multinationalen Arbeitsgruppen agierten. Diese Interaktion konnte noch dadurch befördert werden, dass die irischen und französischen Schüler gemeinsam in der Münsterklause wohnen konnten, wo sie ja auch ihren Tagesablauf gemeinsam erleben konnten. So können nun alle Teilnehmer mit Stolz auf eine gelungene europäische Zusammenarbeit zurückblicken und darin Erreichtes gut an Interessierte weitergeben.

Dr. Matthias Hessenauer, Projektleiter

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