„Das Wichtigste ist der Dialog.“

Erzbischof Dr. Nikola Eterović, apostolischer Nuntius in der Bundesrepublik Deutschland, zu Besuch am EGM

In einer Reihe mit unserer Bundeskanzlerin – diese Ehre wurde am Montag, den 11.07.16 der gesamten Schulfamilie unseres Gymnasiums zuteil. Denn den Festgottesdienst zum Benediktsfest und gleichzeitig zum 1200-jährigen Bestehen der Abtei Münsterschwarzach leitete der Mann, der am selben Abend gemütlich mit der mächtigsten Frau der Welt plauschte: Erzbischof Dr. Nikola Eterović, der wichtigste Gesandte des Papstes in Deutschland. Und damit nicht genug: Nach dem Gottesdienst fanden sich die zehnten und elften Klassen in der Aula ein, um diesen besonderen Mann besser kennenzulernen.
Er begann mit ein paar Worten zu seinem Lebenslauf und seiner konkreten Aufgabe. Er studierte drei Jahre lang in Rom an der ältesten akademischen Schule der Welt (ca. 310 Jahre alt) für Diplomaten des Heiligen Stuhles. Seit 1980 nennt er den diplomatischen Dienst als seine Aufgabe. Diese besteht aus zwei großen Gebieten: Die diplomatisch-kirchliche Mission (Verbesserung des Verhältnisses von Kirche zu Staat, z.B. Treffen mit Bundeskanzlerin und anderen Politikern), sowie die kirchliche Mission (Intensivierung des Verhältnisses von Papst zu den einzelnen Mitarbeitern der Kirche).
Seine und die Arbeit seiner Vorgänger hat sich bereits bezahlt gemacht: In Deutschland sind die Beziehungen von Staat zur Kirche sehr gut, so unterstützt der Staat katholische soziale Organisationen wie die „caritas“ oder Flüchtlingsprojekte der Kirche. Der Erzbischof bedankte sich besonders für die Welle der Hilfsbereitschaft deutscher Christen, die entstand, als in der letzten Zeit immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Er nahm dies zum Anlass, um uns als die heranwachsende Generation zu ermahnen, dass wir die Gegenwart und ebenso die Zukunft prägen. Mit dieser Verantwortung sollte nicht leichtfertig umgegangen werden.
Nach dieser kurzen Einführung waren wir, die Schüler, nun dran, den Nuntius mit unseren Fragen zu löchern: Grob gegliedert waren diese in die drei Themengebiete Persönliches, Politik und Kirche.

DSC_0094

Erzbischof Dr. Nikola Eterovic (links) mit Abt der Abtei Münsterschwarzach Michael Reepen

  • Persönliches

    Der Nuntius reist sehr viel – nicht nur um seine Deutschkenntnisse zu verbessern, sondern auch, um Land und Leute kennenzulernen. Auf der ganzen Welt hat er Berufserfahrung sammeln dürfen: In Afrika, Spanien, Lateinamerika und der Ukraine. Aber für Urlaub ist zum Glück auch Zeit: Im Sommer geht’s für zwei Wochen nach Kroatien zu seiner Familie. Denn obwohl er sich in seinem Wohnsitz in Berlin pudelwohl fühlt, ist es ihm sehr wichtig, den Bezug zur Heimat zu wahren.

    In Europa steht er vor neuen Herausforderungen: Durch die Säkularisierung der Welt haben viele Menschen den Bezug zu Gott verloren. Sie suchen nach persönlicher Begegnung mit Gott, dem Nuntius ist es ein großes Anliegen, die Möglichkeiten zu eben dieser Begegnung aufzuzeigen.

„Die Kirche ist offen!“

  • Politik

    Vertreten möchte der Nuntius ethische und moralische Werte – ohne an irgendeine Partei gebunden zu sein. Der Nuntius trifft wichtige Politiker, um mit ihnen über Streitfragen zu diskutieren, organisiert aber auch Treffen mit dem Papst selbst. So war Kanzlerin Merkel bereits dreimal im Vatikan, um sich mit Papst Franziskus zu besprechen.

    Die Flüchtlingsfrage sieht der Erzbischof nicht nur als ein europaweites Problem, sondern als ein Weltproblem. Es sei das oberste Ziel, eine gemeinsame, friedliche Lösung zu finden. Das Wichtigste sei der Dialog zwischen den verschiedenen Kulturen. Nur durch gegenseitiges Verständnis könne Integration gelingen. Die deutsche Politik sei hier Vorreiter: Sie verwirkliche mit beeindruckender Kontinuität christliche und menschliche Werte.

    DSC_0114

    Apostolischer Nuntius im Gespräch mit den Schülern

  • Kirche

    Papst Franziskus ist der fünfte Papst, unter dessen Führung Dr. Nikola Eterović seit seiner Weihe zum Bischof 1977 arbeitet. Jeder Papst lege andere Akzente, Franziskus mache besonders auf die Ungleichheit der Welt aufmerksam. Er stehe für das Sprichwort: Kraft des Rechts nicht Recht der Kraft. Außerdem möchte Papst Franziskus durch die Neuerung der katholischen Kirche junge Menschen wieder zum Glauben bewegen.

    Zuletzt sah sich der Nuntius mit einer Streitfrage konfrontiert: Kann ein*e Homosexuelle*r in der katholischen Kirche bleiben? Der Nuntius antwortete klar und bestimmt mit einem „JA! Die katholische Kirche ist offen!“ Passt ja wie die Faust aufs Auge zu dem Motto des 1200-jährigen Bestehen der Abtei Münsterschwarzach: Be open!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s