Elftklässler des EGM besuchen Reichsparteitagsgelände

Eine Fahrt zum Reichsparteitagsgelände nach Nürnberg unternahm eine Gruppe der 11. Jahrgangsstufe des Egbert-Gymnasiums kurz vor Schuljahresende. Sie begannen ihren Rundgang beim Ehrenmal im Luitpoldhain, besuchten die Kongresshalle, gingen über die „Große Straße“ weiter zum Zeppelinfeld und bestiegen die zum Teil noch vorhandene Tribüne. So wurde den Schülern das gigantische Ausmaß des etwa 11 Quadratkilometer großen Areals deutlich. Mit Hilfe von Massensuggestion und Führerkult verbreiteten die Nationalsozialisten bei den Reichsparteitagen zwischen 1933 und 1938 ihre Ideologie. Die Dimensionen der realisierten und noch geplanten Bauwerke stehen für den Größenwahn des nationalsozialistischen Deutschlands. Intensiv diskutierten die Schüler darüber, wie die Gedenkstätten als Lernort in der Zukunft erhalten und genutzt werden könnten.

Ein guter Jahrgang

95 Schülerinnen und Schüler am Egbert-Gymnasium mit dem Abitur verabschiedet

95 Schülerinnen und Schüler des Egbert-Gymnasiums wurden am vergangenen Freitag mit dem Zeugnis der Reife entlassen. Mit Aleyna Inanc, Lea Marie Haupt und Jordan Greguletz erreichten drei von ihnen die Traumnote 1,0. Trotz der Corona-Beschränkungen erlebten die Abiturienten einen äußerst würdigen und festlichen Abschluss ihrer Schulzeit. 

Ein guter Jahrgang: Die Q12 des Egbert-Gymnasiums nach der Verleihung der Abiturzeugnisse

Die Feier begann mit einem Gottesdienst in der Abteikriche, den Schulseelsorger Br. Melchior zelebrierte. Als Leitspruch hatten die Abiturienten das Motto „Geh über das Wasser“ gewählt – nicht ahnend, dass die Hochwasserproblematik diesem Bibelzitat eine besondere Aktualität verleihen würde. Br. Melchior gedachte der vielen Opfer und stellte dennoch den Gedanken des Vertrauens in den Mittelpunkt, wie es im Markus-Evangelium heißt: „Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! Dann stieg er zu ihnen ins Boot, und der Wind legte sich.“

Oberstufenkoordinatorin Barbara Secknus erinnerte in ihrer kurzen Ansprache an die vielen Unwägbarkeiten, die die Corona-Zeit für die Abiturienten mit sich gebracht hat: Distanzunterricht, Wegfall der Studienfahrten, Austausch der Zeugnisse nach der verordneten Günstigerprüfung, die Maskenpflicht und die Notwendigkeit des Testens. Umso größer war die Erleichterung, dass am Ende alles gut ging. So schloss sich Schulleiter Markus Binzenhöfer auch mit einem Lob und Dank gegenüber der Oberstufenkoordinatorin und allen Schülern an, die die besondere Herausforderung in diesem Jahr gemeistert haben. Er wünschte den Abiturienten, dass sie mutig auch die kommenden Aufgaben angehen mögen. Als Elternvertreterin verglich Susann Hillgärtner den Weg der erwachsen gewordenen Kinder mit einem Spiel: „Manchmal haben sie ein Pokerface aufgesetzt und dann aus einem nicht so guten Blatt das Beste gemacht: Heute haben sie gewonnen.“

Die Verleihung der Zeugnisse erfolgte in der Kirche, indem Schulleiter Binzenhöfer die Reihen abschritt und die Schüler jeweils einzeln heraustraten und dann namentlich genannt und gewürdigt wurden. Dank eines weißen Handschuhs war sogar ein persönlicher Händedruck hygienekonform möglich. Nach dem Gottesdienst gab es die Möglichkeit zur persönlichen Begegnung, die durch die Blasmusikklänge der „Schwarzier Buam“ umrahmt wurde. 

Anschließend versammelten sich die Gäste in der nach zwei Seiten offenen Voltigierhalle, wo sich die Abiturienten mit Tanz, Musik und Akrobatik von ihrem Egbert-Gymnasium verabschiedeten. Jonas Schreyer und Cora Stühler hatte einige waghalsige Zirkuseinlagen parat, das Männerballett zeigte sich von seiner besten Seite und die Lehrer und Mönche durften sich einige Parodien gefallen lassen. So endete der offizielle Teil der Feier in bester Stimmung, gewürzt mit etwas Ironie und ganz viel Kreativität, bevor sich die Schüler in ein Event-Zelt zurückzogen, um nach der vielen Arbeit den Moment zu genießen. 

Jonas Schreyer und Cora Stühler bei ihrer Akrobatik-Nummer

„Powerkurs“ zum Lückenschluss

Das Egbert-Gymnasium reagiert mit einem ganzheitlichen Programm auf die Spätfolgen des Lockdowns

„EGM – Endlich Geht Mehr“, unter diesem Motto stehen die Unterstützungsangebote, die das Egbert-Gymnasium den coronabedingten Wissenslücken entgegensetzt. Das Konzept besteht aus verschiedenen Modulen, die auf die einzelnen Jahrgangsstufen abgestimmt sind. Ein Höhepunkt ist das „Summercamp“ in der letzten Ferienwoche: Dabei geht es nicht nur ums Lernen, sondern auch um das soziale Miteinander bei Angeboten aus Sport, Kunst und Musik.

Schulleiter Markus Binzenhöfer und StD Martin Pohl, der für das projektbezogene Lernen zuständig ist, haben ein Konzept zur ganzheitlichen Unterstützung und Förderung entwickelt: Die neuen Fünftklässler durften das schon bei den Kennenlerntagen erleben, die an den letzten Freitagen stattgefunden haben. Sie freuen sich schon darauf, dass sie bei den Ankommenstagen im Herbst zusammen in der Schule übernachten dürfen, wenn es die Corona-Lage zulässt. Beratungslehrerin Karin Illner bietet für die Neulinge Klassen- und Einzelcoaching an, damit sie ihre Lernstrategien und ihr Zeitmanagement verbessern.

Für die Sechstklässler bietet das Tagesheim Wiederholungseinheiten im Bereich der Fremdsprachen und der Mathematik an. Die Schüler der Jahrgangsstufen 7 bis 10 können „Powerkurse“ wählen, und zwar einmal pro Woche für 90 Minuten in Latein und Mathematik. Und für alle Jahrgangsstufen gilt: Noch im laufenden Schuljahr gibt es unbenotete Tests, um den momentanen Wissensstand festzustellen. Im nächsten Schuljahr – oder schon in den Ferien – greifen dann die Programme „Schüler helfen Schülern“ und „Erwachsene helfen Schülern“. Dazu vermittelt die Schule schon jetzt die jeweiligen „Tandems“. 

Mit dem „Summercamp“ in der letzten Schulwoche reagiert das EGM darauf, dass während der Lockdowns nicht nur Wissenslücken entstanden sind, sondern auch der soziale Kontakt gefehlt hat. So erstellen die Schüler nun einen persönlichen Freizeit- und Lernplan, wiederholen die Inhalte selbstständig über Mebis und angeleitet in Kleingruppen und erkunden zum Beispiel Trendsportarten. Damit fällt auch der Startschuss für das Neigungskursprogramm im September: Endlich darf man wieder auf Aufführungen von Chor, Orchester und Theatergruppe hoffen. 

Jule und Anne Zaworka (Q12) haben die Unterstützungsangebote des EGM genutzt – nun genießen sie die freie Zeit nach dem bestandenen Abitur. Bei allem notwendigen Fleiß eint sie die Zuversicht, dass man das Glück nicht nur selbst in der Hand hat, sondern der Schöpfer den Boden dafür bereitet, wie es auf den Spruchtafeln des EGM-Bauzauns zu lesen ist

Erste Abiturprüfung geschafft

EGM bestens vorbereitet – Schüler interpretieren Weltliteratur

99 Abiturientinnen und Abiturienten des Egbert-Gymnasiums unterzogen sich am Mittwochmorgen im Fach Deutsch ihrer ersten schriftlichen Abiturprüfung. Da alle negativ auf das Corona-Virus getestet waren, konnte die Prüfung für alle gemeinsam in der Turnhalle stattfinden. Fünf interessante Aufgaben warteten auf die Prüflinge, eine davon durften sie auswählen. 

Bei der Interpretation von Else Lasker-Schülers Gedicht „Das Lied“ ging es zunächst um Trauerbewältigung.  Ein Klassiker wartete dann im Bereich der Drameninterpretation auf die Schüler, und zwar ein Auszug aus Schillers „Wilhelm Tell“. Ulrich von Rudenz hatte sich den österreichischen Unterdrückern angebiedert, um der umworbenen Bertha von Brunek zu gefallen. Er gesteht Bertha seine Liebe, um dann bestürzt feststellen zu müssen, dass sie ihn zwar auch liebt, aber auf Seiten der Schweizer steht. In diesem Wechselbad der Gefühle ruft er verzweifelt: „Bertha! Ihr zeiget mir das höchste Himmelsglück, / Und stürzt mich tief in einem Augenblick.“

In der dritten Aufgabe durfte ein weiteres Stück Weltliteratur interpretiert werden, ein Auszug aus Thomas Manns Roman „Die Buddenbrooks“. Der sensible, schüchterne Hanno sollte seinem Vater, dem Senator Thomas Buddenbrook, anlässlich des hundertjährigen Bestehens der Firma ein Gedicht aufsagen. Er scheitert kläglich und wird vom Vater gedemütigt – ein Fanal für den Abstieg der Lübecker Kaufmannsfamilie. 

Bei den Auszügen aus dem Tell und den Buddenbrooks geht es unter anderem um klassische Geschlechterrollen und einen typischen Vater-Sohn-Konflikt mit der traditionellen Über- und Unterordnung. Insofern kann man die folgende Sachtextanalyse geradezu als Kommentar dazu verstehen: In dem Text bringt die Soziologin Teresa Koloma Beck ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass diskriminierende Strukturen verändert werden, und zwar durch „sprachsensible Kommunikation“. 

Bei der letzten Aufsatzart schließlich, der materialgestützten Argumentation, sollten die Chancen und Risiken der „Empörungsdemokratie“ abgewogen werden. Mit diesem Begriff bezeichnet der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen die Nutzung des Internets als Plattform für den öffentlichen Meinungsaustausch. Wahlweise konnten die Schüler das Thema als sachliche, dialektische Erörterung oder als pointierten Essay bearbeiten. Die Abiturienten am EGM waren nach der Prüfung müde, aber erleichtert. Sie beurteilten die angebotenen Themen als „insgesamt gut machbar“.

Mit dem gebotenen Abstand unterzogen sich die Abiturienten am EGM am Tag von Christi Himmelfahrt der ersten schriftlichen Prüfung

„Bau dir deine Welt!“

Sieben von neun Preisträgern des VR-Bank-Wettbewerbs kommen vom EGM

Unter dem Motto „Bau dir deine Welt“ stand der diesjährige Kreativ-Wettbewerb der VR-Bank. Kinder und Jugendliche konnten sich dabei in Zeichnungen und Kurzfilmen auf eine Reise in die Welt der Baukunst begeben, was den Schülern des Egbert-Gymnasiums besonders gut gelang: Sieben der neun Preise konnten sie ergattern. Aus der Unter- und Mittelstufe erzielten Alina Lenhart, Clara Göllner, Teresa Nuber, Sarah Teubert Urkunden und Sachpreise, aus der Oberstufe Lea Kruse, Tabea Kroth und Lina Arens. 

Juror und Kunsterzieher Matthias Held hob in seiner Laudatio den philosophischen Ansatz der Werke hervor: „Zum ersten Mal in der Geschichte gestaltet der Mensch den Planeten, auf dem er wohnt, nicht mehr nur zu seinem Vorteil. Man spricht auch von einer neuen Epoche, der Epoche des Anthropozäns: nämlich des Zeitalters, in dem der Mensch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die Prozesse auf der Erde geworden ist“, so Held. Um den negativen Folgen entgegenzuwirken, müsse die Zivilgesellschaft in eine Kulturgesellschaft transformiert werden, womit der Kunsterzieher wieder den Bogen zu den Preisträgern des VR-Bank-Wettbewerbs schlug: „Man sieht an den Arbeiten deutlich, wie die Ökologie Einzug in die Architektur findet.“

Die preisgekrönten Zeichnungen ließen aufhorchen, uns zwar zum einen wegen der künstlerischen Ausgestaltung, zum anderen aber auch wegen der dahinterstehenden Konzepte. Tabea Kroth orientierte sich zum Beispiel an der Form der Bienenwabe, als sie ihre Idee eines „Tiny houses“, also eines kleinen Eigenheims, darstellte. Ein Baukastensystem mit einer sechseckigen Form kann dabei helfen, den vorhandenen Platz optimal auszunutzen und damit nachhaltige Wohnungen zu verwirklichen, die praktisch sind und alles Notwendige enthalten. Lea Kruse entwickelte ein Konzept für eine „Eco-Mall“, also ein Einkaufszentrum, in dem man regional und einkaufen kann, ohne das Klima zu belasten. Detailliert zeichnete sie verschiedene Innen- und Außenansichten, die auch statische Belange berücksichtigten. Bei den Produkten sollte weitgehend auf Verpackungen verzichtet werden. Einen utopischen Ansatz dagegen verfolgte Lina Arens, die Vorschläge zum Wohnraum unter Wasser, so genannte „Aqua homes“, gestaltete. Alle preisgekrönten Arbeiten zeigen, dass die Schüler des EGM die Bewahrung der Schöpfung im Blick haben, wenn sie die Welt von morgen gestalten.

In der Kategorie der Oberstufenschüler gewannen (vorne von links): Lina Arens, Lea Kruse und Tabea Kroth. Kunsterzieher Matthias Held und Schulleiter Markus Binzenhöfer überreichten die Urkunden und gratulierten herzlich

Würdigung sehr guter Seminararbeiten

Die Verfasser der acht besten Seminararbeiten wurden am Egbert-Gymnasium ausgezeichnet. Die angehenden Abiturienten durften sich über eine Urkunde und einen Buchpreis freuen. 

Naomi Kroth beschäftigte sich im W-Seminar „Dichterorte“ mit der inneren Spannung des Kriminalromans „Der Verdacht“ von Friedrich Dürrenmatt. Es ging vor allem um die Figur des NS-Mediziners Dr. Emmenberger, den sie mit dem realen, menschenverachtenden Arzt Dr. Aribert Heim verglich. Dabei beleuchtete sie eindrücklich die hochaktuelle Frage der moralisch-ethischen Verantwortung in der Medizin. Jordan Greguletz dagegen beschäftigte sich in englischer Sprache mit den landwirtschaftlichen Anbautechniken in den feuchten Tropen und erhielt dafür großes Lob: „Seine Darstellung ist dabei wissenschaftlich fundiert und führt in alle wichtigen Aspekte des Themas mit passenden Fachtermini und klug gewählten Illustrationen ein“, so sein Kursleiter. 

Mit den „drei webenden Schwestern – Schicksalsgöttinnen der Griechen und Germanen“ schlug Luisa Schwab den Bogen zwischen Hesiod, ca. 700 v.Chr., und Richard Wagner im 19. Jahrhundert. Zeitlich gesehen etwas später setzte Maren Arnold an, die das Deutschlandbild und die Rolle Deutschlands im Ersten Weltkrieg anhand von sowjetischen und postsowjetischen Lehrbüchern erarbeitete. So zeigen die herausragenden Seminararbeiten auch den besonders versierten Umgang der Schüler mit verschiedenen Fremdsprachen: Während Luisa Schwab von Altgriechisch und Latein profitierte, konnte Maren Arnold auf ihre Russisch-Kenntnisse zurückgreifen. 

Der Musik widmete sich Martina Ullrich, und zwar in den Metamorphosen für 23 Solostreicher von Richard Strauss, der dieses Werk in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs komponiert hatte. Die Zielsetzung der Arbeit bestand darin, die unterschiedlichen Deutungsmöglichkeiten zu beleuchten, was Martina in hervorragender Weise gelungen ist. Darüber hinaus legte Felizitas Schilling im Bereich des Sports eine viel beachtete Arbeit vor, indem sie sich mit der Frage beschäftigte, ob der „Coopertest“, bei dem man zwölf Minuten am Stück laufen muss, ein sinnvoller Ausdauertet ist. 

Schließlich gab es auch im Bereich der Naturwissenschaften außergewöhnliche Leistungen. So untersuchte Aleyna Inanc, ob Naturheilverfahren nach Kneipp bei rheumatoider Arthritis helfen können. Annika König schließlich beschäftigte sich mit der „Magnetresonanztomographie“, die im Volksmund gerne als „Röhre“ bezeichnet wird und genaue Bilder vom Körperinneren liefert. Dabei ist ihr nach Meinung ihrer Kursleiterin die Analyse der Grundlagen und der technischen Umsetzung hervorragend gelungen. 

Unser Bild zeigt die Verfasser der besonders gelungenen Seminararbeiten (von links): Jordan Greguletz, Oberstufenkoordinatorin Barbara Secknus, Martina Ullrich, Maren Arnold, Naomi Kroth, Felizitas Schilling, Luisa Schwab, Annika König und Schulleiter Markus Binzenhöfer. Es fehlt Aleyna Inanc

Raus aus der Opferrolle

Sebastian Wächter macht den Abiturienten des EGM Mut

„Barrierefrei im Kopf – auf zu neuen Ufern“ – unter diesem Motto stand ein  Vortrag, den Sebastian Wächter vor den Abiturienten des Egbert-Gymnasiums hielt. Wächter ist 31 Jahre alt und sitzt seit seinem 18. Lebensjahr im Rollstuhl. Ein Unfall beim Wandern, ein missglückter Sprung über einen Bach führte zu einem Genickbruch, der mit Lähmungen der Beine und auch der Finger einher ging.  

Wächter weiß, was es heißt, mit Veränderung umzugehen. Nach seinem Studium und einer Tätigkeit als Aktienfachmann ist er heute selbstständig und hält Vorträge im Bereich Motivation. Er inspirierte die jungen Abiturienten, die nach dem Abi ebenfalls vor großen Veränderungen stehen. Wächter richtet den Blick nicht mehr darauf, was passiert ist und was jetzt alles nicht mehr geht, sondern darauf, was er noch kann. „Fünf Prozent meiner Muskeln funktionieren noch.“  

Ans Herz legte Wächter den Schülern die Frage, warum sie Ziele erreichen wollten. Er sprach die Empfehlung aus, Ziele zu emotionalisieren, was ihm auch selbst geholfen hat: „Ich war die ersten sechs, sieben Jahre nach dem Unfall auf Hilfe beim Anziehen angewiesen. Heute schaffe ich das alleine in 40 Minuten, weil ich unbedingt unabhängig und selbstbestimmt sein wollte.“ Als Hilfe dabei könne dienen, sich das bildlich vorzustellen, welchen Stolz man über ein erreichtes Ziel empfinden könne. Rückschläge und Zweifel würden kommen, aber sie seien nicht entscheidend: „Wichtig ist, was ihr daraus macht.“

Intensiv beschäftigte sich Wächter auch mit der Frage, wie man mit Enttäuschungen umgeht. In seinem speziellen Fall ging es zum Beispiel um das Problem, alleine vom Rollstuhl ins Bett zu kommen. Monatelang trainierte er eine bestimmte Technik, bis er erkannte: „So geht es nicht, es braucht einen neuen Anfang, ich entscheide mich neu und übernehme dafür Verantwortung.“ Im Blick auf das Abitur im Corona-Jahr rückte Wächter auch das Positive in den Vordergrund: „Ihr konntet zwar keine Konzerte und Klassenfahrten erleben, aber ihr habt Erfahrungen gemacht, die sonst keiner hat und die euch auch weiterhelfen können.“ Irgendwann stehe man vor der Frage: „Will ich ein zufriedenes Leben führen oder will ich hadern? Das ist eure Entscheidung!“ 

Sebastian Wächter hat trotz Handicap sein Leben in die eigene Hand genommen – und inspirierte damit die Abiturienten am EGM

EGM testet mit medizinischem Personal

Die Corona-Tests am Egbert-Gymnasium verliefen am Montag nach den Osterferien reibungslos. In vier Durchläufen unterzogen sich je 50 Schülerinnen und Schüler aus der Oberstufe einem Schnelltest vor Unterrichtsbeginn. Angeleitet wurden sie dabei von dem Abtei-Arzt Br. Dr. Ansgar Stüfe sowie einem Team von Studenten, Lehrkräften und Schulsanitätern. Alle Tests fielen negativ aus, sodass die 11. und 12. Jahrgangsstufe den Präsenzunterricht aufnehmen konnte.  Das EGM verfügt über so viele große Unterrichtsräume, dass der Mindestabstand auch bei voller Kursstärke eingehalten werden kann. 

Für die Durchführung der Tests hatte das Hausmeisterteam die Turnhalle mit Tischen und Stühlen ausgestattet. Dort finden die Tests nun vorerst dreimal pro Woche statt, solange der Inzidenzwert über 100 liegt. Sinkt er unter 100, ist der Test nach den staatlichen Vorgaben nur noch zweimal pro Woche durchzuführen. Alternativ können die Schüler auch mit einem negativen Testergebnis, das beim Arzt, in der Apotheke oder in der Teststrecke ermittelt wurde, in die Schule kommen. Der Vorbereitung auf das Abitur steht damit am EGM nichts im Wege.

Projektarbeit im Distanzunterricht Religion 9a/b: Gegen das Vergessen

Als nach den Weihnachtsferien die Phase des Distanzunterrichts begann, musste der Religionsunterricht, der wie kaum ein anderer vom Dialog und der Präsenz lebt, völlig umstrukturiert werden. Um eine Nähe zu unserem Thema „ Judentum“ zu schaffen, schauten wir uns erst einmal den 2016 entstandenen Film „Das Tagebuch der Anne Frank“ von Hans Steinbichler an – jeder bei sich zuhause. In der folgenden Videokonferenz wurde schnell klar, dass die Generation von Jugendlichen, die durch den Lockdown sehr isoliert leben muss, ein ganz neues Verständnis für Anne Franks Lebenssituation aufbringen kann.

Da die Schulschließung für die 9. Klasse noch lange anhalten sollte, vertieften wir uns weitergehend in das Projekt. 

Jeder Schüler und Schülerin bekam den Auftrag, sich zu informieren, was „Stolpersteine“ sind und im eigenen Umfeld nach ihnen zu suchen, sie zu fotografieren und den Schicksalen der genannten Menschen nachzuforschen.

Die Schüler fanden es sehr interessant, etwas über die Menschen zu erfahren, die ein ganz normales Leben in den fränkischen Dörfern geführt hatten und dann plötzlich herausgerissen und deportiert wurden.

Durch diese Geschehnisse haben wir Nachgeborenen keinen oder wenig Kontakt zu jüdischem Leben und Bräuchen. Daher bekamen die Schüler und Schülerinnen den Auftrag, sich entweder mit jüdischen Festen, koscherem Essen oder Klezmer Musik zu beschäftigen.

Die Vielfalt der entstandenen Portfolios war enorm. Zwei Schüler erstellten Musikvideos mit Geige und Cello zum Thema Klezmermusik, einige Schülerinnen kochten lecker aussehende und schmeckende Rezepte nach und fotografierten sie und eine große Anzahl informierte sich über die jüdischen Feste Purim, Pessach und Chanukka.

Die eingereichten Portfolios waren liebevoll gestaltet und jeder berichtete im Wechselunterricht in seiner Kleingruppe über seine Recherchearbeit.

Das Bild, das Hannah Pohl,9b, für ihr Deckblatt gestaltet hat, zeigt, was wesentlich ist bei diesem Projekt: Jetzt besonders, da die Zeitzeugen uns nicht mehr lange berichten werden können von Krieg und Shoa, von Flucht und Vertreibung die Erinnerung wachhalten!

Gegen das Vergessen!

Immer „onLein“?

PEERplus, die Schülerzeitung des EGM, erscheint nach den Osterferien

Trotz Distanz- und Wechselunterricht, trotz Corona-Pandemie: Die Schülerzeitung PEERplus des Egbert-Gymnasiums erscheint nach den Osterferien in gewohnter Form, also mit einem Umfang von 116 Seiten im Vierfarbdruck. Mehr als 60 Schülerinnen und Schüler aus fast allen Jahrgangsstufen haben seit Schuljahresbeginn daran gearbeitet. Verkauft wird die Zeitschrift für 3 Euro auf dem Schulgelände, und wer ein Exemplar ergattern möchte, muss schnell sein, denn es gibt schon über 250 Vorbestellungen. 

Mit dem Titelthema „onLein“ setzen sich die Schüler mit ihrer Arbeitsweise im Home-Office auseinander, das einerseits sehr nützlich ist, andererseits aber auch die Freiheit einschränken kann. Im Editorial schreiben die Elftklässler Emelie Melchert und Luca Hammer über die Zeit im Lockdown: „Gelernt haben wir sicher viel: Wir sind selbstständiger geworden, können besser mit dem Tablet umgehen und kamen auch im Unterrichtsstoff weiter. Aber das gemeinsame Reden, Lachen, Essen, Singen, Spielen fehlte uns Schülern genauso wie den Lehrern. Wir bekamen eine Ahnung davon, dass sich die Schule im digitalen Zeitalter verändert. Sie wird nach Corona nicht mehr so sein wie zuvor. Aber wie viel Digitalisierung ist gut? Wo wird es zu viel? Brauchen wir nicht auch künftig gemeinsame Erlebnisse in Sport, Musik und Kunst? Wo hilft der Computer, wo stört er nur? In unserem Titelthema suchen wir Anregungen für das EGM von morgen, in dem die Schülerinnen und Schüler vielleicht online, aber hoffentlich nicht an der Leine sind.“

Neben diesem Titelthema finden sich viele weitere Artikel in den Rubriken „Mitfühlen“, „Mitreden“ und „Miterleben“. Besondere Beachtung verdient das Interview mit der ehemaligen Schülerin Sadé Kaingu zum Thema Rassismus. Darüber hinaus führte die Auseinandersetzung mit der Querdenker-Bewegung zu vertieften Einsichten. Im Editorial heißt es dazu: „Die Sehnsucht nach einfachen Lösungen ist derzeit besonders groß, aber die helfen uns in unserer komplexen Welt nicht mehr weiter.“ 

Hoffnung und Inspiration fanden die Schüler in zwei Frauen, die nicht den einfachen Weg gehen, sondern für ihre Ideale kämpfen: Mutter Mechthild Thürmer, der Äbtissin des Benediktinerinnen-Klosters Kirchschletten, bewahrt Flüchtlinge vor der Abschiebung, indem sie ihnen Kirchenasyl gewährt – auch wenn ihr dafür jetzt ein Prozess droht. Mit demselben Feuer ist Schwester Dr. Katharina Ganz dabei, wenn es um Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche geht. 

Wer jetzt glaubt: „Puh, das wird aber alles sehr ernst und politisch“, der kennt die PEER noch nicht richtig: Natürlich gibt es auch jede Menge Unterhaltung. So wurden süße Kinderbilder einiger Lehrer abgedruckt. Wer die Namen errät, kann einen 100-Euro-Gutschein von Nike gewinnen. Die PEERplus-Redaktion schließt ihr Editorial mit den Worten: „Jetzt wünschen wir euch das „mit Abstand“ beste Leseerlebnis, neue Perspektiven und genießt die Zeit auch mal offLein!“